Shopeinstieg – betriebswirtschaftlich betrachtet

Einen Online-Shop gründen – für viele Menschen die Chance einen attraktiven Nebenjob aufzubauen, für viele Fachhändler die Hoffnung auf ein solides, zweites Standbein und für Internetfreaks die Möglichkeit das Hobby zum Beruf zu machen. Zahlreiche kostenlose Shopsoftwarelösungen oder Mietversionen ab 9,90 € monatlich machen den Einstieg für jeden erschwinglich. Doch lohnt sich der Aufwand wirklich? Ein paar Rechenbeispiele sollen Klarheit über Ihr neues Geschäftsmodell im Internt bringen.

Was kostet ein Online-Shop wirklich?
Einen openSource Online-Shop von osCommerce oder XTcommerce können Sie einfach installieren und loslegen. Einen Shop aus der Box erhalten Sie bereits unter 100 € und können ihn absolut ohne technische Kenntnisse einrichten und ins Netzstellen. Und in einen Mietshop bei T-Online, Strato oder OXID eSales loggen Sie sich einfach ein und starten los. Es gibt viele Wege zum günstigen Shop, doch die Erstinvestition in das Shopsystem ist eigentlich niemals die letzte Investition. Viele Shopsysteme benötigen weitere Module, um wirklich attraktiv zu werden. Spätestens bei der Kreditkartenzahlung werden Sie feststellen, dass zwar die Technik vorhanden ist aber ein Vertrag mit einer Kreditkartenfirma fehlt. Einrichtungskosten, Lizenzgebühren und monatliche Grundkosten werden in jedem Fall entstehen. Sie sollten daher genau planen welche Funktionen für Ihren Shop nötig und wichtig sind und was diese kosten.

Was kostet ein Besucher?
Verschiedene Quellen und Studien haben errechnet, dass es in Deutschland bis zu 600.000 Online-Shops geben könnte. Ihr Shop ist deshalb erstmal nur ein weiteres e-Commerce Angebot in dieser riesigen Menge. Damit Sie Umsatz machen können benötigen Sie zahlreiche Besucher. In Deutschland suchen User in erster Linie bei Google nach Produkten und Angeboten. Weitere Quellen sind aber auch Produktportale und Preisvergleiche. Nahezu alle werden ihre Leistungen durch einen Klickpreis abrechnen. Damit wird jeder Klick auf Ihre Werbeanzeige und zu ihrem Shop berechnet. Ein Klick entspricht daher einem Besucher und kostet 0,10 oder 0,30 € – in einigen Fällen auch deutlich mehr. Ein Besucher kostet Sie daher unter Umständen 0,30 €.

Was kostet ein Käufer?
Ein Besucher Ihrer Website ist ein potentielle Käufer und Kunde. Die Wahrscheinlichkeit, dass er zum Kunden wird, ist allerdings erstaunlich gering. Viele Shops machen 1 – 3% ihrer Besucher zu Käufern. Wenige Shops schaffen deutlich mehr – teilweise bis zu 12%. Diese Kaufquote ist abhängig von vielen Faktoren, die Sie nicht immer selbst beeinflussen können. Woher kommt ein User, ist er wirklich ein interessierter User oder kommt er nur durch Zufall. Diese Fragen sind entscheidend über die Kauflust des Users. In Ihrem Shop gibt es dann aber zahlreiche Hürden, die zu Kaufabbrüchen führen können. Wenn die Preise zu hoch und die Produkte schlecht dargestellt sind, attraktive Zahlungsmittel fehlen oder der Shop sehr langsam ist, wenn der Shop kompliziert oder einfach nur nicht vertrauenserweckend gestaltet ist, wird ein User wieder gehen und nichts kaufen. Eine Analyse einer Usability Agentur kann Gründe für Kaufabbrüche ermitteln und Vorschläge zur Optimierungen machen. Für kleine und mittelständische Shops gibt es dazu den Dienstleister Shoplupe.de.

Wenn es ihnen gelingt 2% der User zu Neukunden zu machen, liegen sie im guten Durchschnitt. Kostet ein Besucher 0,30 € werden Sie 50 Besucher bzw. 15,00 € Werbebudget benötigen, um eine Bestellung zu generieren.

Was kostet eine Retoure?
Jeder private Endverbraucher hat ein 14tägiges Widerrufsrecht. Er kann daher jede Bestellung ohne Gründe zurücksenden. Wie viele Kunden ihre Ware retournieren liegt stark am Sortiment. Während Kleidung und Schuhe üblicherweise sehr hohe Retourenquoten haben, sind die Quoten bei Möbel und Haushaltsgeräten eher wieder gering. Da User die Produkte testen können, kann es zusätzlich noch zu Wertminderungen kommen, die nicht immer dem Kunden berechnet werden können. Die Retourenkosten trägt dazu nach gesetzlichen Regelungen häufig der Shop-Betreiber. Die Versandkosten für die Aussendung ca. 4 €, die Verpackung ca. 1 € und die Retoure durch den User 5 € kann sich so schnell auf 10 € und mehr hochrechnen.

Was kostet eine Warenwirtschaft?
Die Warenwirtschaft im Backend eines Online-Shops ist mit der wichtigste Erfolgsfaktor für einen Online-Shop. Nur eine perfekt angepasst Warenwirtschaft ermöglicht das einfache Verwalten der Lagerbestände, unterstützt den Einkauf und macht einen professionellen Verkauf möglich. Entscheidend dafür ist die Schnittstelle zwischen Warenwirtschaft und Online-Shops – ansonsten sind Doppelarbeiten auf der täglichen Arbeitsordnung. Eine Warenwirtschaf von Lexware oder Sage erhalten Sie beispielsweise bereits unter 1000 € und eine passende Schnittstelle zu ihrem Shop kostenlos oder für 100 – 200 €. Eine professionelle Warenwirtschaft, die sie auch über die nächsten Jahre begleitet wie z.B: PIXI oder BüroWare kann schnell 10.000 € und mehr kosten, entsprechende Wartungskosten und Anpassungen müssen monatlich kalkuliert werden.

In jedem Fall sollte die Warenwirtschaft nicht unterschätzt werden. Die Kosten ihres Online-Shops können sich durch die richtige Warenwirtschaft schnell verdoppeln.

Was kostet die Buchhaltung?
Ein Online-Shop mit vielen Bestellungen generiert auch viele Belege und Rechnungen. 500 Bestellungen im Monat können auch 500 Rechnungen, 20 Mahnungen, 20 Gutschriften und 20 Umbuchungen durch Kundenwünsche im Monat bedeuten. Eine eigene Aushilfskraft für die Sortierung der Buchhaltung wird in jedem Fall nötig sein. Für den Steuerberater ein Fest sind Buchungen über ein Girokonto, Kreditkartenkonto und weitere Guthabenkonten wie z.B. Paypal. Organisatorisch anspruchsvoll sind Vorkassebezahlungen und Nachnahme Zahungseingänge. Die Zuordnung erfolgt häufig manuell und ist daher aufwendig. Erschwert wird die Zuordnung indem immer wieder falsche Beträge von Kunden überwiesen werden oder wichtige Angaben wie Kundennummer oder Rechnungsnummer nicht vollständig angegeben werden. Die Buchhaltung mit einer 400 € Bürohilfe und einem Steuerberater kann so schnell 600 – 700 € monatlich kosten.

Was kostet die Hotline?
Viele Bestellungen im Monat bedeutet auch, dass täglich Anrufe und E-Mails beantwortet werden müssen. Ein guter Online-Shop sollte auch telefonisch erreichbar sein und E-Mails sollten schnell beantwortet werden. Auf 100 Bestellungen ist in jedem Fall auch mit 5 E-Mails und Anrufen zu rechnen. Ein professioneller Sekretariatsservice garantiert, dass ihr Shop immer telefonisch erreichbar ist und der Kunde zumindest die Basisinformationen abrufen kann. Ein Service, der sich positiv auf die Vertrauensbildung auswirkt. Einen Service können Sie bei vielen Anbietern ohne Fixkosten buchen. So zahlen Sie nur bei Anruf. Bei wenig Anrufen werden die Kosten unter 100 € monatlich liegen.