Interview zu Mobile Commerce
Mobile Commerce entwickelt sich, denn die mobilen Endgeräte und günstige Daten Flatrates stehen zur Verfügung. Wir haben Robert Rieser – Geschäftsführer von Mobilemojo – zum Thema interviewt. Er kennt sich aus und betreut den mobile Shop vom Versandhändler Quelle.
Macht Shoppen mit dem Handy heute Spaß?
Im Idealfall, Ja! Voraussetzung: Ein zeitgemäßes Handy, ein entsprechender Datentarif und eine gute mobile Webseite. Ohne die in die Handys eingebauten Datenturbos Edge oder UMTS (am besten inkl. HSDPA) ist heute kaum ein sinnvolles, mobiles Surfen möglich. Der Grund ist ganz einfach. Selbst auf den Handys werden heute bunte und farbige Inhalte samt Grafiken angezeigt. Die mobilen Seiten haben sich entwickelt. Auch die klassichen Werbebanner haben bereits den Sprung in die mobile Welt geschafft.
Mobile Webseiten, gerade im Bereich Shopping, sind bisher jedoch selten anzutreffen. Neben Amazon und Ebay bieten die großen drei deutschen Anbieter Quelle, Otto und Neckermann mobile Einkaufsmöglichkeiten an.
Welche Trends sehen Sie im Mobile Commerce?
Der Trend geht zum mobilen Preisvergleich und mobilen Applikationen. Alle neueren Smartphones bieten die Möglichkeit, über einen der vielen nun gerade entstehenden Application Stores, Programme auf ihr Handy zu laden. Hier ist gerade der Bereich der Shopping Applikationen und Location Based Services sehr stark am Wachsen. Viele Nutzer haben einen Barcode Scanner auf dem Handy installiert. Auf Knopfdruck wird darüber die Produktnummer identifiziert, und der mobile Preisvergleich gestartet.
Wenn Online-Shops auch noch mobil erreichbar wären, könnte die Kette bis zum Kaufabschluss geschlossen werden und ein Kauf ohne Medienbruch möglich sein. Aktuell wird leider nur auf die entsprechenden Webseiten verlinkt auf denen der Kunde sich dann verliert oder an technischen Details scheitert.
Wo liegen Ihrer Meinung die größten Hürden heute noch?
Die größten Hürden liegen in der Auffassung der Shopbetreiber, der Mobile-Markt sei noch nicht relevant. Gerade jetzt ist es an der Zeit Kunden neben dem Online Auftritt auch mobil anzusprechen, damit den Service zu optimieren und erste Erfahrungen zu sammeln. Neben den Serviceleistungen wie Lieferinformationen mobil anzubieten oder Kundengutscheine per SMS zu versenden, bietet es sich auch an Teile des Sortiments mobil zu präsentieren. Eine frühe Positionierung im mobilen Bereich ist mittel bis langfristig betrachtet die bessere Strategie.
Kann man für mobile Commerce einen normalen Shop verwenden?
Zum einen sind die wenigsten Endgeräte auf die Darstellung von Webseiten optimiert. Und selbst dann kann der kleine Speicher und die schwache Prozessorleistung in den Handys komplexe Seiten nur langsam und unter langer Ladezeit darstellen. Kommen hier noch Web 2.0 Features mit dynamischen Menüs oder Flash Elemente zum Einsatz, gibt das Handy schnell auf.
Wo sollten Shopbetreiber ansetzen, um Mobile Commerce nutzen zu können?
Zum einen sollten Sie sich gründlich beraten lassen. Zusammen mit Agenturen, die sich auf mobile Marketing und Commerce spezialisiert haben, kann dann eine Strategie entwickelt werden ob und inwiefern sich der Mobile-Kanal rechnet. Vielleicht ist es der Support für die Kunden, vielleicht kann über Mobile Marketing Maßnahmen der Kunde in den Online-Shop geholt werden. Oder aber es können “Schnelldreher” mobil angeboten werden, und der Kunde kann über SMS auf diesen Artikel direkt gelenkt werden – ohne Medienbruch. In 90% der Fälle macht es durchaus Sinn den Kanal “Mobile” in den Marketing Mix mit aufzunehmen.
Ein weiteres Mittel sind mobile Applikationen, vergleichbar mit den Widgets am PC. Wir entwicklen Shopping-Anwendungen die der Kunde dann auf seinem Handy installieren kann. Das Logo des Händlers sowie dessen Angebote sind dann fest im Blickfeld der Kunden – jeden Tag. Wenn die Angebote und Inhalte dann noch stimmen sehen wir hier einen großen Nutzen für den Anbieter und seine Kunden.
Robert Rieser ist Geschäftsführer der Mobile Marketing und Consulting Agentur Mobilemojo. Neben der Quelle GmbH betreute er weitere mobile Startups bei der Einführung mobiler Angebote. Zu seinen Aufgaben gehören neben der Einführung und Optimierung mobiler Angebote und Marketing Maßnahmen auch die Erweiterung von eCommerce Elementen um den Bereich mCommerce.
September 10, 2010